Medische und parthische Herrschaft über Kurdistan

Einleitung

Die Meder-Konföderation, wie auch das Partherreich waren Vorgängerreiche der Kurden, die unter anderem durch den Zusammenschluss von unterschiedlichen Stämmen und kleinen Königreichen bzw. durch deren Kooperation zustande gekommen sind.

Griechische Quellen bezeugen, dass Meder und Parther miteinander auf ihre Sprache kommunizieren konnten und einander verstanden. Wissenschaftler vermuten sogar, dass die Altperser auch teilweise verstanden wurden von den Medern und Parthern.

Unter den Medern wurden im heutigen Kurdistan Stämme wie die der Mittani, Mardi (Mardin), Gurgu (Gurgum), Melidi (Meletî), Kammanu, Musku (Mush), Kardu, Manna, Hamban, Namri und Lullubi (Luren) – nur um einige der vielen genannt zu haben – vereint. Bevor diese Stämme vereint wurden, herrschten über Kurdistan Hurriter, wie auch Mannäer. Man vermutet, dass bereits unter diesen eine weite Homogenisierung der Stämme ins Eranische stattgefunden haben könnte.

Die Antike markiert den Zeitraum der Ankunft der Arier und den Beginn der Transformation von Kurdistan in eine indoeuropäisch-sprachige Gesellschaft, was in der klassischen Periode kulminiert ist.

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Medisches Reich – Grösste Ausdehnung mit der Hauptstadt Ekbatana (heutiges Hemedan)

 

Ankunft eranischer Stämme

Vor den einigenden Medern befanden sich im heutigen Kurdistan unterschiedliche kleinere Königreiche, die weiter oben erwähnt wurden. Das stärkste davon war das der Musku (heute als die Stadt Muş bekannt), dem die Wissenschaft eine Mannesstärke von 20‘000 Soldaten zurechnet und die höchstwahrscheinlich die Hethiter aus Anatolien zu Fall gebracht hatten. Auffallend waren ebenso die Qutils (Gutäer), denen es gelang, Gebiete Akkadiens und Sumers zu erobern. Von ihnen kommen die Stämme der klassischen Zeit wie z.B. die Zibaris und Tirikans. Eine sehr weite Homogenisierung der Sprache und Kultur fand unter den Hurritern statt, denen es gelang, das ganze Gebiet Kurdistan zu erobern und deren Einfluss bis tief in den Zagros reichte.

Der ständige Kampf zwischen den Königreichen des heutigen Kurdistans und Mesopotamien führte zu grossen ökonomischen Schäden in Kurdistan, Mesopotamien und im übrigen westlichen Zagros. Die zerstörten Städte der Königreiche, die grosse Zahl an Gefangenen und Sklaven, die mitgenommen wurden und die dadurch gestörte Wirtschaft erleichterte den einfallenden Ariern – grösstenteils Meder und Skythen – die Übernahme Kurdistans. Die 2000 Jahre lange andauernde Einwanderung indoarischer Völker wie die der Meder änderte die archaischen lokalen Sprachen durch eine antike, indoeuropäische Form des Kurdischen.

Die stärkste arisch-nomadische Immigration fand zwischen 1200 und 900 v.Chr. statt, als Kurdistan durch die physikalische Verwüstung und materielle, soziale und kommerzielle Störung geschwächt war. Durch die soziale und ökonomische Depression waren viele Gebiete entvölkert, was es den arischen Siedlern leicht machte, die alten kulturellen und ethnischen Komponenten Kurdistans, wie auch des eranischen und anatolischen Plateaus weitgehend zu ändern.

Izady 2009

Frühe Königreiche und Stadtstaaten in Kurdistan vor der Formation des Mederreiches

 

Das erste eranische Reich

Das erste eranische Reich im heutigen Kurdistan wurde durch die Meder gegründet. Sie gelten als die eranische Integrationsmacht im Nordwesten.

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Medisches Reich

Diyako (gr. Deioces), der von 727 – 675 v.Chr. als erster medischer König regiert hat und den Titel Key Xosrow I.(gr. Kyaxares I., was für den Amtstitel „Selbstherrscher“ steht) trug, gelang es, die unterschiedlichen Stämme und Fürstentümer Kurdistans (Nordwesteran) und des Zagros zu vereinen und das Fundament für das erste eranische Grossreich zu legen.

Es ist bekannt, dass die Militär- und Verwaltungsreformen der Meder einschneidend waren, später von den nachfolgenden eranischen Reichen weiter verwendet wurden und einen grossen Beitrag dazu geleistet haben, dass das nordwesteranische Land eranisiert wurde. Damit gilt das Medische als entscheidender Einflussfaktor für die Bildung nordwesteranischer Sprachen und als Grundstein des Kurdischen. Bei der Sprachentwicklung hingegen dürften die Parther für die Kurden eine grössere Rolle gespielt haben.

Die Meder, die bereits im 3. Jts. v.Chr. in sumerischen und akadischen Quellen genannt werden, waren Reiterkrieger und Viehzüchter. Die Hauptstadt im neu gegründeten Reich war Ekbatana, im heutigen Hemedan, das heute noch grösstenteils von Kurden bewohnt wird. Das Reich währte mit der Skythenvorherrschaft insgesamt 178 Jahre, wobei die Könige Folgende sind:

Diyako (Deiokes, auch Key Xosrow genannt), 727 – 675 v.Chr.
Frevertîş (Phraortes), Sohn des Key Xosrow, 674 – 653 v.Chr.
Key Xosrow II. (Kyaxares II.), Sohn des Frevertîş, 652 – 585 v.Chr.
Ejîdeheka (Astyages, dt. Drache, kurdisch Ejdeha), Sohn des Key Xosrow II., 584 – 549 v.Chr.

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Medische (2.v.l.) und persische Krieger an den Wänden in Persepolis

 

[Fortsetzung folgt]

 


 

Quellen:

Derakhshani (1998)
Diakonoff (1988)
Gippert (1996)
Hennerbichler (2004)
Izady (2009)

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