Cegerxwîn (Şêxmûs Hesen)

Cegerxwîn (Şêxmûs Hesen) ist ein nationaler Dichter der Kurden und hat eine religiöse Bildung genossen, wonach er als Geistlicher tätig war. In seinen Texten kritisiert er aber die kurdischen Şêxs, Axas, Begs und Seydas, die er für die Hauptverantwortlichen für das Leid und Elend des kurdischen Volkes sieht.

Cegerxwîn nimmt in seinen Gedichten die Rolle eines modernen Ehmedê Xanî ein, doch spricht vermehrt den nationalen Charakter der Kurden an; auch die eranische Herkunft der Kurden kommt nicht kurz. So schreibt er:

Bi Ehremen, bi Hurmizgah û Yezdan;
şiyar bûne belengazên di Kurdan.

„Mit Ahriman, Ahura Mazda und Yazdan
Wurden sie wach, die Bedürftigen unter den Kurden“

Oft spielt er auch auf „Guhderz û Ristem“ an, wenn es um den Mut, die Tapferkeit und das Heldentum der kurdischen Vorfahren geht. „Guhderz“ selbst ist ein geläufiger Name für medische Figuren und parthische Prinzen, Könige und Adlige. Ebenso war „Gohdarz“ eine mythologische Figur, die im eranischen Reich im Nordosten gegen die turanischen Kräfte gekämpft hat. „Ristem“ ist der Name eines eranischen Helden, der in eranischen Sagen Abenteuer erlebt hat und stets standhaft und siegreich war.

Cegerxwîn

Cegerxwîn

Das Interessante an der Sache ist, dass Cegerxwîn, der als nationaler Dichter gilt, sich der Geschichte und Herkunft der Kurden bewusst war. Heute jedoch verwehren sich viele Kurden ihrer Geschichte und selten trifft man auf wissenschaftliche oder gar politische Schriften, die sich auf die Antike oder Mythologie beziehen.

Die parthische Geschichte selbst ist auf auffällige Weise nicht genügend erforscht, obwohl ihr Reich ca. 471 Jahre währte, also länger als die der Sassaniden und deutlich länger als die der Achämeniden. Die Perser selbst sehen die Achämeniden und Sassaniden als ihre Vorfahren, während die Meder und Parther lückenhaft in der Geschichte fallengelassen wurden. Der Grund hierfür mag in der Vorrangstellung der persischen Kultur im Iran liegen oder aber auch am Desinteresse der nordwesteranischen Völker, die aus unterschiedlichen Gründen ihre antike Geschichte nicht aufarbeiten wollen. Fraglich bleibt, was die Kurden heute davon abhält, ihre Vorfahren näher kennenzulernen.

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