Goranî/Hewramanî und Dimilî/Zaza: Kurdisch?

Seit den 60er Jahren gibt es eine Auseinandersetzung bzgl. des Goranî/Hewramanî und Zaza/Dimilî/Kirmanckî, die nicht zur linguistischen Gruppe des Kurdischen gezählt werden. Die europäische Linguistik bemüht sich in diesem Kontext um ein versöhnliches Kompromiss-Verständnis: Diese Dialekte seien zwar sprach-wissenschaftlich nicht Kurdisch, deren Sprecher würden sich aber zu Kurden bekennen. Damit wären sie uNd ihre Sprachen letztlich doch zu Kurden zu zählen.

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Siedlungsgebiet der Dimilî/Zaza/Kirmanckî-Sprecher

Prof. Joyce Blau, Direktoriums-Mitglied des Kurdischen Institutes in Paris, vertritt folgenden Standpunkt: Sprecher verwandter Dialekte wie Gurani und Zaza/Dimilî/Kirmanckî hätten zwar Lautverschiebungen zum neuiranischen Kurdischen nicht mitgemacht, aber dennoch ein Bewusstsein entwickelt, „der nationalen kurdischen Einheit anzugehören“. Mit anderen Worten: Sie würden zwar im engeren Sinne nicht Kurdisch sprechen, sich aber zu Kurden bekennen. Diese Überzeugung äussern auch andere führende Kurdologen der Gegenwart, wie Prof. Philip G. Kreijenbroek von der Universität Göttingen in Deutschland.