Kurdentum

Zahlreiche Versuche zu erklären, wer oder was die KurdInnen sind, konnten bis heute nicht erfolgreich fruchten. Weder eine reine Verbindung zu den synkretischen Religionen der Aleviten, Eziden oder Yarisanen, noch die Thesen des Beginns der kurdischen Identität erst nach der Islamisierung sind stichhaltig. Dieser Beitrag befasst sich im Folgenden mit der heutigen Situation der kurdischen Identität und zieht auch später Schlüsse mit Verweisen in die Vergangenheit.

Wer ist kurdisch?
Die heutige Identifikation von unterschiedlichen Individuen mit dem Kurdentum beruht heute auf zwei elementaren Säulen. Der Autor ist überzeugt, dass stets mindestens eins von diesen Kriterien gegeben ist, dass sich Personen als kurdisch betrachten können.

1) Sprache
Wer einen kurdischen Dialekt spricht – ob Kirmandschkî (Dimilî), Kurmandschi (inkl. Bahdini), Sorani, Gorani, Kelhuri-Pehli-Leki oder sogar Nordluri – kann sich mit dem Kurdentum identifizieren.
Das Kriterium der Sprache ist ein mögliches, aber nicht zwingendes Kriterium. So gibt es unter den Personen, die sich als KurdInnen identifizieren, auch jene, die aufgrund der Assimilation keinen kurdischen Dialekt sprechen können. Trotz dieser Begebenheit identifizieren sich viele solcher Leute mit dem Kurdischen. Dies veranlasst uns nach einem weiteren Kriterium zu suchen, was im nächsten Punkt erklärt wird.

2) Territorium
Wer aus dem Gebiet Kurdistan stammt – dessen Ausdehnung unterschiedlich definiert wird – kann sich mit dem Kurdentum identifizieren.
Das Kriterium des Territoriums ist ebenfalls ein mögliches, aber nicht zwingendes Kriterium. So kann sich heute auch ein „Fremder“, der sich die kurdische Kultur in Form der Sprache, Tänze, Bräuche usw. aneignet, als kurdisch identifizieren – wobei hier zu erwähnen ist, dass dies in nur sehr seltenen Fällen passiert.
Ebenso gibt es Minderheiten in Kurdistan, die keinen kurdischen Ursprung haben oder kein Kurdisch sprechen (z.B. Assyrer, Armenier, Turkmenen u.ä.). Aus diesem Grund ist auch dieses Kriterium nicht zwingend, um sich als kurdisch betrachten zu können, erscheint jedoch im Vergleich zur Sprache in der heutigen Zeit als stärkerer Faktor bei der Identifizierung mit dem Kurdentum.

Die Fälle, die beides aufweisen, nämlich das Beherrschen eines kurdischen Dialekts und die Herkunft aus Kurdistan, erfüllen beide Kriterien und bezeichnen sich heute weitestgehend als kurdisch.

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